Die Knochendichtemessung als Beurteilungsmethode für die Diagnose und Therapie der Osteoporose ist allein nicht ausreichend. Ein durch die DEXA Messung kalkulierter T-Score < -2,5 reicht nicht aus, um eine Osteoporose zu definieren. Dies entspricht nicht immer dem Grenzwert, ab dem in der klinischen Realität eine Osteoporosetherapie eingeleitet werden sollte 3, dafür sollte eine Mikrostrukturveränderung im Knochen vorliegen. Knochendichte-Ergebnisse müssen daher differenziert beurteilt werden.
So zeigte z.B. eine Studie, dass bei 28% der postmenopausalen Frauen im Röntgen Wirbelkörperfrakturen festgestellt wurden, die sich bis zum Zeitpunkt der Studie quasi als gesund betrachtet hatten. Die daraufhin durchgeführte Knochendichtemessung (DEXA) wies jedoch keine Korrelation zwischen kalkulierten T-Score Werten in der Lendenwirbelsäule und Häufigkeit der Wirbelkörperfrakturen auf 4. Die Prävalenz der Lendenwirbelfrakturen hing lediglich mit dem Alter und der Knochendichte in der Hüfte zusammen.
Osteoporose ist definiert als eine Verringerung der Knochenmasse und der Knochenstruktur. (5). Die Knochenqualität hängt von vielen Faktoren ab, nicht nur von der Knochenmineralisation (gemessen durch die DEXA). Weitere Faktoren umfassen höheres Alter, weibliches Geschlecht, Knochenumbau, Medikamenteneinfluss, toxische Einflüsse wie Rauchen und Alkohol, Aromatasehemmer, und vieles mehr. Der wesentliche Behandlungsansatz sollte daher sein, die Knochenqualität zu verbessern, nicht die Knochendichte, um die Knochenfestigkeit zu verbessern.
Eine generelle Indikation für eine Osteoporosetherapie ist gemäß der DVO Leitlinie aus 2017 5 gegeben bei einer Fragilitätsfraktur des Wirbelkörpers, des Schenkelhalses oder generell bei langfristiger Glukokortikoid-Therapie (abhängig von der Dosis). Ist keine dieser drei generellen Indikationen erfüllt, ist es sinnvoll, das Frakturrisiko mittels Frakturrisiko-Kalkulatoren zu ermitteln, um Risikopersonen frühzeitig zu identifizieren. Somit kann bereits im Vorfeld eine spezifische Therapie eingeleitet werden, um Frakturen in der Zukunft zu verhindern.
Das Ziel bei Osteoporose ist die Prävention von Sekundärfolgen, also in diesem Falle einer Fragilitätsfraktur. Denn eine Fragilitätsfraktur ist nicht harmlos! Innerhalb eines Jahres nach einer Schenkelhalsfraktur versterben 20% der Patientinnen und 33% der PatientInnen an den Folgen 6. Auch können mit der Verhinderung von Fragilitätsfrakturen wesentliche Folgekosten eingespart werden. Man weiß, dass in Österreich besonders die Zahl der Hüftfrakturen hoch ist – höher als in anderen Ländern, auch höher als in Deutschland. Österreich führt in Bezug auf Fragilitätsfrakturen zusammen mit Schweden und Dänemark die Statistik an.7
Bei klassischen osteoporotischen Frakturen, z.B. niedrigtraumatischen Wirbel- oder Schenkelhalsfrakturen, empfiehlt die DVO Leitlinie 5, rasch eine Therapie einzuleiten. Schenkelhalsfrakturen sind klinisch einfacher zu diagnostizieren, osteoporotische Wirbelkörperfrakturen verursachen oft lediglich unspezifische Rückenschmerzen und werden, wenn eine Bildgebung veranlasst wird, oft im radiologischen Befund nicht erwähnt 8. Deshalb ist es ratsam, bei älteren PatientInnen auf die indirekten Zeichen einer Wirbelfraktur zu achten, nämlich neue oder vorübergehende Rückenschmerzen, Verlust an Körpergröße, erhöhter Hinterkopf-Wand-Abstand und verringerter Abstand zwischen Rippen und Becken 9-11.
In Bezug auf die Glukokortikoidtherapie stellt gemäß DVO Leitlinie 5 bereits eine orale Gabe von ≥7,5 mg täglich über drei Monate eine Indikation für eine Osteoporosetherapie dar, wenn der T-Score im osteopenischen Bereich liegt oder wenn schon eine Fragilitätsfraktur vorliegt.
Bei niedrigeren Glukokortikoiddosen, sollte das Frakturrisiko mit dem FRAX Tool (Risikorechner) oder gemäß DVO Risikokategorisierung bestimmt werden 12. In Österreich bleibt es der behandelnden Ärztin/dem behandelnden Arzt überlassen, welches Instrument zur Risikoabschätzung zum Einsatz kommt. Gemäß FRAX kann schon ein T-Score, der im Bereich der Osteopenie liegt, bei Frauen mit positiver Familienanamnese ein stark erhöhtes Frakturrisiko bedeuten. Es wird diskutiert, dass bereits ab einem Risiko für eine „major osteoporotic fracture“ von 20% und einem Hüftfrakturrisiko von 5% eine Osteoporosetherapie eingeführt werden soll. Auch die DVO Leitlinie berücksichtigt bei der Risikoabschätzung ein ganzes Konvolut an Risikofaktoren.
Für den Nutzen einer Anti-Osteoporose-Medikation ist der Zeitpunkt der Initiierung von entscheidender Bedeutung. Bei einer Behandlungsinitiierung rasch nach einer Hüftfraktur kann das Risiko, erneut mit einer Fraktur hospitalisiert zu werden, signifikant gesenkt werden 13. Das Risiko einer Folgefraktur ist innerhalb der ersten Jahre nach einer klinischen Fraktur bis zu fünffach erhöht, aber selbst nach 15 Jahren ist das Risiko einer Folgefraktur noch doppelt so hoch, wenn man nichts dagegen tut 14.